Glienicker Brücke

Wenn man heute am Ufer der Havel an der Schwanenallee entlang spaziert und die Boote auf dem schimmernden Wasser beobachtet, so glaubt man kaum, dass sich hier eine Todeszone zwischen Ost- und Westdeutschland befand. Wer aus dem Osten floh, wurde erschossen. Eine ältere Dame erzählte mir, dass ihre Familie die Teilung nicht akzeptieren wollte. Sie wohnten damals auf der westdeutschen Seite, in der Nähe der Glienicker Brücke. Als kleines Zeichen des Protests holte ihr Vater zur Weihnachtszeit immer das Tannengrün aus der DDR.

Auffahrt auf die Glienicker Brücke von Potsdam aus, Foto: Roland Rossnerder Einheit“. Doch die Einheit ließ noch ein paar Jahrzehnte auf sich warten.

Selbst Steven Spielberg beeindruckte die Geschichte der „Agentenbrücke“, die sich zwischen Berlin und Potsdam abspielte. Der Agententhriller Bridge of Spies – Der Unterhändler, mit Tom Hanks in der Hauptrolle, wurde auf Grundlage des ersten Agentenaustauschs am 10. Februar 1962 und mitunter am Originalschauplatz gedreht. Sogar Angela Merkel besuchte die Dreharbeiten.

Drei Mal kam es auf der Glienicker Brücke zum Agentenaustausch zwischen Ost- und Westdeutschland: Den ersten 1962 organisierte der DDR Rechtsanwalt Wolfgang Vogel. Es wurde der Spitzenspion der Sowjets Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den amerikanischen Piloten Francis Gary Powers getauscht. 1985 vollzog sich der zweite von 25 westlichen Agenten gegen vier von der CIA verhafteten Spionen. Genau acht Monate später am 11. Februar 1986 konnte der Freiheitskämpfer Anatoli Schtscharanski den Übergang Richtung Westdeutschland passieren, ihm folgten noch drei weitere Inhaftierte. Fünf Häftlinge aus dem Westen kamen im Gegenzug frei.

Doch die Geschichte reicht noch viel weiter zurück: Im 18. Jahrhundert entstand eine Holzbrücke, die die beiden Ufer der Havel verband und für eine ständige Postverbindung vorgesehen war. 1830 entwarf Architekt Karl Friedrich Schinkel eine breitere Steinbrücke. Diese konnte dem zunehmenden Verkehr jedoch nicht gerecht werden, weshalb 1907 eine Fachwerkbrücke mit einem Tragwerk aus Stahl den Platz einnahm. Bis 1916 verlief sogar eine Straßenbahn darüber. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu schwerwiegenden Zerstörungen. Unter Verwendung der erhaltenen Teile wurde sie 1947 wieder aufgebaut. Zu Zeiten der Deutschen Teilung versank die Glienicker Brücke in trügerischem Dornröschenschlaf – für den privaten Autoverkehr wurde sie gesperrt. Auf der Mitte der Brücke zog sich ein weißer Grenzstrich, der die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin markierte.

 

Zur gleichen Zeit beschloss ein Kabinettsbeschluss der Landesregierung von Brandenburg die Umbenennung des Bauwerks in „Brücke Ein Tag nach dem Mauerfall, also am 10. November 1989, konnten wieder alle die Glienicker Brücke überqueren. Heute herrscht auf der Havel ebenfalls ein reger Schiffsverkehr. Das Landschaftsensemble rundherum wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Vom Wasser aus sieht man, dass die Stahlkonstruktion in zwei Grüntönen gestrichen ist. Die Berliner Seite ist etwas dunkler als die Brandenburger Hälfte. Ein Metallband in der Brückenmitte und Info-Tafeln an den Seiten erinnern an den vergangenen Grenzverlauf – jetzt ist es wirklich eine Brücke der Einheit. Möge dies auch weiterhin so bleiben.