Vorwort

Mich treibt schon länger diese Frage um, was kann ich als einzelner Mensch tun, um die Demokratie und den Frieden, in dem wir leben, zu erhalten, dass wir nicht wieder Nationalsozialismus oder Faschismus bekommen oder Grenzen geschlossen werden. Die zunehmende Zuspitzung der Situation in der Bundesrepublik um mich herum macht mir immer mehr Angst. In mir entstand das tiefe Bedürfnis, aktiv zu werden, als Bürgerin. Als Theaterleiterin fühle ich mich sogar dazu verpflichtet, gerufen, berufen, Position zu beziehen, Haltung zu zeigen, das Thema mit den Möglichkeiten der Kunst öffentlich zu machen.

Gedacht. Getan.

So erfand ich die Figur von "Horst Rüder", dem Schiffer vom Havelkilometer 27 im Tiefen See, und die Geschichte, dass für ihn die unerträgliche Stimmungslage in Deutschland zum einem Alptraum wird, aus dem er schweißgebadet erwacht. Die historischen Gebäude seiner Umgebung, die für ihn jahrzehntelang Navigationshilfe waren, werden nun zur lebendigen Erinnerung, bringen ihn in einen Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und unterstützen ihn dabei, sich als einzelner Mensch ernst zu nehmen und nicht aufzugeben.

Wir haben uns über Monate mit der Frage "Was tun?" beschäftigt und sehr viel dazu recherchiert. Die Inszenierung ist jetzt fertig, für das ganze Team ein besseres Gefühl als vorher. Wir tun was! "Horst Rüder" entscheidet sich in unserem Stück, in die Gesellschaft zu gehen, sich einzumischen, aufzupassen. Diese Website und Blog soll eben diesen Schritt von "Horst Rüder" unterstützen: Alle, die aktiv sich für eine plurale Gesellschaft einsetzen möchten, miteinander zu verbinden, zu unterstützen, zu informieren und sie auch erfahren lassen, was es vom Havelkilometer 27 Neues gibt, von den Wasservögeln, dem Himmel und dem Wasser. Gemeinsam mit Ihnen/Euch möchten wir diesen Blog stetig ausbauen und freuen uns über Ideen, Zuschriften etc..

Martina König am 21.9.2018

Autorin, Regisseurin, Künstlerische Leiterin Theaterschiff Potsdam